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Art Brut – It´s a bit complicated

Schräge Melodie trifft Indie Pop

Die fünfköpfige Band aus London versucht mit seinem zweiten Album an den großen Erfolg ihres Debuts „Bang Bang Rock´n´Roll“ anzuknüpfen. Frontman und zugleich Mastermind von Art Brut, Eddie Argos, versucht es auch in dieser Zusammensetzung von daherstolpernden und nett anzuhörenden 11 Songs seinen aussagekräftigen Texten und Gedanken, in schrägen Melodien ein musikalisches Sprachrohr zu geben.

Beginnend mit „Pump up the Volume“ in dem Eddie nicht so recht weiß ob er sich mit dem Pop-Song im Radio oder mit einer nackten, nur mit Schuhen bekleideten Dame beschäftigen soll. „I'm taking it slowly / I've been reading the signs / I found my hand in a place / Where I can't tell if she minds / Rolling around amongst our clothes on the floor / I can't help it: / "Have you heard this song before?"/” Eine witzige Geschichte, welches dem Hörer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern sollte.

Auch im zweiten Song dieses Albums wird mit hübscher Pop-Punk Gitarrenmusik ein Abend in der örtlichen Disco beschrieben. Schüchterne Menschen die von wildfremden, Arbeitskleidung tragenden Menschen angesprochen werden um auf dem Dancefloor zum „Direct Hit“ durchzudrehen. Wie (hoffentlich) die meisten von uns schon erfahren haben, wie es sein kann von irgendwelchen betrunkenen, aufdringlichen Menschen zum Tanzen aufgefordert zu werden, schafft es Art Brut auf eine wirklich sympathische Art und Weise den Hörer auf die Tanzfläche zu bewegen.

Der Beginn des nächsten Songs "St. Pauli" erinnert doch sehr stark an "OK Go - Do what you want", allerdings wird diese Ähnlichkeit bereits nach einigen Sekunden zerstreut als Eddie beginnt Punkrock als noch nicht tot zu heißen, sich zum Team der Hamburger Punkszene bekennt und mit starkem Akzent "Punkrock ist nicht tot" skandiert. Doch Gentlemen, wie sie die Engländer nun mal sind, entschuldigt sich Eddie diekt für seine Aussprache und erklärt "Sorry if my accent´s flawed / I learnt my German from a 7 inch record" - Fair enough.

„Nag Nag Nag“ ist nicht etwa eine Coverversion von „Cabaret Voltaire“, einer Elektronic Band aus den 70igern, sondern wahrscheinlich das Beste, was „It´s A Bit Complicated“ zu bieten hat. Von gemächlich dahintrottendem Pop-Rock entwickelt sich der Song zu einem sogar annähernd aggressiven, nach vorne preschenden Stück Rock. Eine interessante Offenlegung des von Musik durchsetzten Lebens wird von Eddie folgendermaßen interpretiert: “A record collection reduced to a mix tape / Headphones on, I made my escape / I'm in a film of personal soundtrack / I'm leaving home, and I'm never gonna come back. /”

Auch die Songs “I will survive” oder “Jealous Guy” sind nicht das, was der Name vielleicht vermuten lässt. Keine Coverversionen sondern leicht ins Ohr gehende Lieder, die allerdings genauso schnell wieder daraus verschwinden.

Man muss leider sagen, ist dieses Album nicht vom gleichen Kaliber wie „Bang Bang Rock´n´Roll“. Während das Debutalbum nur so vor Innovativität sprühte, knüpft „It´s A Bit Complicated“ nahtlos daran an, ohne dabei die großen Knaller, wie „Emily Kane“ oder „Formed A Band“ zu bieten, die sich die Fangemeinde gewünscht hat. Zwar sind die neuen Stücke nett anzuhören, dennoch bieten sie nur eine Weiterführung von altbewährtem, was hier vielleicht noch akzeptiert und angenommen, aber ein drittes Mal nicht möglich sein wird. Art Brut muss sich wieder steigern um die Hörerschaft bei Laune zu halten und nicht mit ihrem Album in den untersten Schubladen der Indie-Pop-Punk Gesellschaft zu landen.

„It´s A Bit Complicated“ versetzt den Hörer in leichtes Kopfnicken, welches allerdings auch nach ein Paar Minuten aussetzen dürfte. Keines dieser Lieder bleibt wirklich im Gehör und besitzt Ohrwurmcharakter. Art Brut setzte in diesem Album auf die alte Schiene und veröffentlichte ein Album, welches zum reinen „nebenbei hören“ sehr gut sein mag, mehr aber auch nicht. Ein Ausrufezeichen wie „Bang Bang Rock´n´Roll“ wurde nicht gesetzt, höchstens die Hoffnung geweckt, dass es beim nächsten Mal besser wird und sich Art Brut steigern kann. Das das Potential in dieser Band und vor allem in Eddie Argos steckt, lässt sich kaum anzweifeln, doch wurde es 2007 nicht abgerufen. Art Brut – Better luck next time!

Hörbeispiel auf: http://www.myspace.com/artbrut

Andreas Geiser, 05.07.2007

5.7.07 21:27
 


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