* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Themen
     Alben
     EPs
     Konzerte
     Maxi-CDs


Webnews







Arcade Fire – Neon Bible

Gehörgangsreinigung par excellance

2 Jahre dauerte es bis man auf neue Aufnahmen der Band um Win Butler und Régine Chassagne warten musste. Nach dem Debutalbum „Funeral“, dass 2005 in der Indie-Musikszene für großes Aufsehen sorgte, eine halbe Ewigkeit. Mit „Neon Bible“ folgt nun das zweite Stück kunstvoller Musik, welches passend zum Albumtitel in einer Kirche aufgenommen wurde.

Das Album, in 11 wundervoll gefühlvolle Kapitel unterteilt, stellt ein neues Meisterstück der Band aus Kanada dar. Violine, Orgel, Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon, Xylophon, Bass, Piano, Drehleier und vor allem der Gesang erzeugen ein Gefühl, welches kaum ein anderes Album zuvor wecken konnte.

Kapitel eins der „Neon Bible“ heisst „Black Mirror“. Der schwarze Spiegel der es durch seine fast unmerklich steigernde Klangfülle bewerkstelligt, den Hörer auf die kommenden 10 Geschichten vorzubereiten. Durch die plötzlich abfallende Spannung und das allmählich zum Ende hin leiser werdende Stück ebnet dem nächsten Lied „Keep The Car Running“ den Weg in die Lautsprecher. Der Rhythmus und die Bass-Line lädt gerade dazu ein, die Hüften zu bewegen. Das Piano, welches teilweise im Hintergrund wie ein Messer ins Ohr des Hörers sticht, gibt dem Song eine gewisse Würze.

Der Titelsong dieses Albums „Neon Bible“ ist zugleich das kürzeste und ruhigste Stück. Schon der Gesang Butlers klingt butterweich und gefühlvoll, was durch schwachen Hall in der Stimme verstärkt wird. Auch die Hintergrundsänger befolgen diese ruhige Schiene und sind nur dezent wahrzunehmen.

Eine Vorfreude von Takt zu Takt und die Spannung, die in jedem Stück dieses Albums erzeugt wird, lässt die Vielfältigkeit und Unvorhersagbarkeit der Lieder beschreiben. Biblische und kirchliche Metaphern schmücken die Texte wie in „Intervention“: „Who's gonna throw the very first stone? / Oh! Who's gonna reset the bone? / Walking with your head in a sling / Wanna hear the soldier sing./ “ Die kräftige und mächtige Orgel zu Beginn des Stücks ist der Anfang eines musikalischen Orgasmus, der sich im Laufe der knapp 4 Minuten ergiessen wird. Arcade Fire brennt ein Feuerwerk von Klangvariationen ab, welches sich gut als gänsehautförderndes Wundermittel verkaufen lassen könnte.

Wundervolle Hintergrundgesänge, die einem Engelschor gleichen, umhüllen die Bilder, die den Mund von Sänger Butler in „Black Wave - Bad Vibrations“ verlassen um sich in den Tiefen deines Kopfes festzukrallen und deinen Bauch in einen Tornado unbeschreiblicher Gefühle zu versetzen. Die „schwarze Welle“, welche alles Gegenwärtige und Vergangene auslöscht und nur darauf wartet zuschlagen zu können „Nothing lasts forever / That's the way it's gotta be / There's a great black wave in the middle of the sea / For me / For you / For me / It's always for you.”

Der “Ocean of Noise” klingt wie sich gerade brechende Wellen, deren Wassertröpfchen vom Wind in dein Gesicht geblasen werden, wie ein friedlicher Morgen am Meer, an dem die Sonne gerade vom Horizont auftaucht und dich mit den ersten Sonnenstrahlen küsst. Ein wundervolles Lied, welches die Augenlider sofort auf Halbmast setzt um diesem „Ocean of Noise“ die volle Aufmerksamkeit schenken zu können.

"The Well And The Lighthouse" ist wiederum in der etwas schnelleren Sparte einzuordnen. Ein vergleichsweise nach vorne preschendes Stück, dessen Rhythmus abschließend allerdings etwas langsamer wird bereitet ein weiteres Highlight der Bibel vor. Ein Stück auf dieser Platte, das wohl keinen Hörer ruhig auf seinem Stuhl sitzen lassen wird. Der „[Antichrist Television Blues]“. Eine Akustikgitarre eröffnet diesen beinahe schon nach früherem Elvis Presley - Rock´n´Roll klingenden, sozialkritischen Song, indem Frontman Butler abschließend fragt: „O tell me, Lord, am I the Antichrist?!“
„Windowsill“ ist eine weitere Kritik an unsere heutigen Gesellschaft in der eine Protesthaltung sehr offen dargestellt wird. „I dont wanna…“ ist die meistverwendete Textpassage in diesem Stück. Es zielt darauf hin, dass Butler alles zu viel wird und er die Flut von Druck und Mist der er alltäglich ausgesetzt ist nicht bis zu seinem „Fensterbrett“ hinaufreichen lassen will.

Dem Ende der Bibel entgegeneilend folgt nun noch ein Knaller, der regelrecht begeistert, da er mit einem ganzen Orchester aufgenommen wurde und somit Klangweltlich alles in den Schatten stellt. „No Cars Go“ wurde bereits auf dem gleichnamigen EP aufgenommen. Auf der Albumversion allerdings mit etwas höherer Geschwindigkeit und Klangvielfalt aufgemotzt.

Nach diesem druckvollen Autorennen folgt im letzten Kapitel der Arcade Fire Bibel „My Body Is A Cage“ in dem die Orgel wieder zum Vorschein kommt. Diesmal anfangs aber nicht so dominant wie in „Intervention“, sondern eher zurückhaltend und begleitend im Hintergrund. Sie lässt aber immer wieder durch etwas lautere Passagen andeuten, dass sie auch anders kann was sie auch nach etwa der Hälfte des Liedes beweißt, wenn sie mit all ihrer Kraft auch das restliche Stück Ohrenschmalz im Gehörgang deines Kopfes, in die Tiefen deines, vom „Arcade Fire Orden“ durchsetzten Körper hinab bläst.

„Neon Bible“ ist für mich ein herausragendes Album, auch wenn es nicht ganz an die Größe und Innovativität von „Funeral“ anknüpfen kann. Dennoch lässt Arcade Fire auch mit diesem Stück Musik keinen Zweifel daran, dass sie eine der besten Bands der heutigen Zeit ist und sie in jede gute CD-Sammlung hineingehören. Arcade Fire – Ein Besen für eure Ohren! Anhören!!!

Hörbeispiel auf: http://www.myspace.com/arcadefireofficial

Andreas Geiser, 03.07.2007

3.7.07 19:45



Art Brut – It´s a bit complicated

Schräge Melodie trifft Indie Pop

Die fünfköpfige Band aus London versucht mit seinem zweiten Album an den großen Erfolg ihres Debuts „Bang Bang Rock´n´Roll“ anzuknüpfen. Frontman und zugleich Mastermind von Art Brut, Eddie Argos, versucht es auch in dieser Zusammensetzung von daherstolpernden und nett anzuhörenden 11 Songs seinen aussagekräftigen Texten und Gedanken, in schrägen Melodien ein musikalisches Sprachrohr zu geben.

Beginnend mit „Pump up the Volume“ in dem Eddie nicht so recht weiß ob er sich mit dem Pop-Song im Radio oder mit einer nackten, nur mit Schuhen bekleideten Dame beschäftigen soll. „I'm taking it slowly / I've been reading the signs / I found my hand in a place / Where I can't tell if she minds / Rolling around amongst our clothes on the floor / I can't help it: / "Have you heard this song before?"/” Eine witzige Geschichte, welches dem Hörer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern sollte.

Auch im zweiten Song dieses Albums wird mit hübscher Pop-Punk Gitarrenmusik ein Abend in der örtlichen Disco beschrieben. Schüchterne Menschen die von wildfremden, Arbeitskleidung tragenden Menschen angesprochen werden um auf dem Dancefloor zum „Direct Hit“ durchzudrehen. Wie (hoffentlich) die meisten von uns schon erfahren haben, wie es sein kann von irgendwelchen betrunkenen, aufdringlichen Menschen zum Tanzen aufgefordert zu werden, schafft es Art Brut auf eine wirklich sympathische Art und Weise den Hörer auf die Tanzfläche zu bewegen.

Der Beginn des nächsten Songs "St. Pauli" erinnert doch sehr stark an "OK Go - Do what you want", allerdings wird diese Ähnlichkeit bereits nach einigen Sekunden zerstreut als Eddie beginnt Punkrock als noch nicht tot zu heißen, sich zum Team der Hamburger Punkszene bekennt und mit starkem Akzent "Punkrock ist nicht tot" skandiert. Doch Gentlemen, wie sie die Engländer nun mal sind, entschuldigt sich Eddie diekt für seine Aussprache und erklärt "Sorry if my accent´s flawed / I learnt my German from a 7 inch record" - Fair enough.

„Nag Nag Nag“ ist nicht etwa eine Coverversion von „Cabaret Voltaire“, einer Elektronic Band aus den 70igern, sondern wahrscheinlich das Beste, was „It´s A Bit Complicated“ zu bieten hat. Von gemächlich dahintrottendem Pop-Rock entwickelt sich der Song zu einem sogar annähernd aggressiven, nach vorne preschenden Stück Rock. Eine interessante Offenlegung des von Musik durchsetzten Lebens wird von Eddie folgendermaßen interpretiert: “A record collection reduced to a mix tape / Headphones on, I made my escape / I'm in a film of personal soundtrack / I'm leaving home, and I'm never gonna come back. /”

Auch die Songs “I will survive” oder “Jealous Guy” sind nicht das, was der Name vielleicht vermuten lässt. Keine Coverversionen sondern leicht ins Ohr gehende Lieder, die allerdings genauso schnell wieder daraus verschwinden.

Man muss leider sagen, ist dieses Album nicht vom gleichen Kaliber wie „Bang Bang Rock´n´Roll“. Während das Debutalbum nur so vor Innovativität sprühte, knüpft „It´s A Bit Complicated“ nahtlos daran an, ohne dabei die großen Knaller, wie „Emily Kane“ oder „Formed A Band“ zu bieten, die sich die Fangemeinde gewünscht hat. Zwar sind die neuen Stücke nett anzuhören, dennoch bieten sie nur eine Weiterführung von altbewährtem, was hier vielleicht noch akzeptiert und angenommen, aber ein drittes Mal nicht möglich sein wird. Art Brut muss sich wieder steigern um die Hörerschaft bei Laune zu halten und nicht mit ihrem Album in den untersten Schubladen der Indie-Pop-Punk Gesellschaft zu landen.

„It´s A Bit Complicated“ versetzt den Hörer in leichtes Kopfnicken, welches allerdings auch nach ein Paar Minuten aussetzen dürfte. Keines dieser Lieder bleibt wirklich im Gehör und besitzt Ohrwurmcharakter. Art Brut setzte in diesem Album auf die alte Schiene und veröffentlichte ein Album, welches zum reinen „nebenbei hören“ sehr gut sein mag, mehr aber auch nicht. Ein Ausrufezeichen wie „Bang Bang Rock´n´Roll“ wurde nicht gesetzt, höchstens die Hoffnung geweckt, dass es beim nächsten Mal besser wird und sich Art Brut steigern kann. Das das Potential in dieser Band und vor allem in Eddie Argos steckt, lässt sich kaum anzweifeln, doch wurde es 2007 nicht abgerufen. Art Brut – Better luck next time!

Hörbeispiel auf: http://www.myspace.com/artbrut

Andreas Geiser, 05.07.2007

5.7.07 21:27





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung